Anni Kessler

Von Menschen Anni Kessler
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Mit Kirschlikör einander zuprosten öffnet Zungen und Türen. So habe ich es mit Anni Kessler erlebt. Sie gehört zu den Gemeindegliedern, die auch im vorgerückten Seniorenalter per Streaming an unseren Gottesdiensten teilnehmen oder sich auch über Email austauschen.

Ganz sicherlich hat Frau Kesslers Vertrautheit mit dem Computer mit den nicht einfachen Jahren zu tun, als sie aus Siebenbürgen nach Deutschland kam. Das war 1990, als sie zunächst zwei Jahre in nur einem Zimmer mit Sohn und Schwiegermutter im Hotel am Kurpark untergebracht war. Eigentlich war sie es gewohnt, im Buchhandel zu arbeiten - so wie sie es in Fogarasch über viele Jahre tat. Nun wurde sie in Bad Aibling erst einmal arbeitssuchend. Ihr Chance, dass sie sich in PC-Kursen im Umgang mit dem Computer qualifizieren konnte und bis zur Rente damit auch zu tun hatte.

Frau Kessler gehört zu denen, die das Leben von der positiven Seite her betrachten. Glücksmomente waren ihr die Rückkunft des Vaters - er durfte ja zunächst nach dem Krieg nicht mehr zurück nach Rumänien und musste in Deutschland bleiben. Damals 1956 war es endlich so weit: Er kam zurück und traf die Tochter Anni als junge Frau an. Familie verbindet einfach. Das Glück der Hochzeit. Die Geburt der vier Kinder. Auch der Schmerz - wie zum Beispiel der so frühe Tod ihres Mannes Johann. So zog sie eben allein 1990 nach Deutschland, begleitet von der Familie, der Schwiegermutter, dem Sohn und den Töchtern, von denen die Älteste mit ihrer Familie schon 1983 gekommen war.

Die Geschichte mit den Hunden, die sich beinahe gegenseitig zu Tode bissen, hat sie im Januar im Notizbuch gelesen. Das weckte in ihr ungute Erinnerungen. "Ich war bei meinen Enkeln in Kirchheim-Heimstetten, um im Kindergarten die Enkelin abzuholen. Da war auf der Straße ein beladener Anhänger geparkt. Auf einmal hatte ich einen großen Hund mit den Vorderpfoten auf meiner Brust. Ich schrie auf, da erschien eine Frau rief den Hund und weg war sie. Mein erster Gedanke nach dem Schreck war: Danke, lieber Gott, dass der Hund nicht zugebissen hat. Die Frau hat mich mit meinem Schreck stehen lassen. Es kam keine Entschuldigung."

Für Anni Kessler war klar, dass man sich so nicht verhält und dass in allem Misslingen die Entschuldigung dazu gehört. Sie könnte noch einige Geschichten erzählen. Kirschlikör steht schon bereit. (1.2.2022)