Philosophischer Club

Skulptur aus Rom
Bildrechte: Privat

Philosophischer Club

Wieso ein Philosophischer Club in der Kirche? 

Gemeint ist einfach, dass man über >Gott und die Welt< ins freie Gespräch kommt. Eingeladen sind alle, die sich dafür interessieren, die es angeht, weil sie es sich angehen lassen. Die immer schon einmal ihre Fragen und Zweifel, aber auch ihre Erfahrungen und Beobachtungen und Gedanken mit anderen teilen wollten.

Im Kern geht es um darum, sich - frei nach Immanuel Kant - seines eigenen Verstandes zu bedienen. Allerdings ist es nicht so einfach, selber zu denken, ohne die Hilfe anderer in Anspruch zu nehmen, etwa in Gestalt von Texten.

Vorausgesetzt ist, dass es neben der oder den Heiligen Schriften auch andere Texte gibt, die es sich lohnt zu lesen. Das können ausdrückliche philosophische Schriften sein, können aber auch andere Texte sein, aus der Literatur usw.

Wörtlich heißt Philosophie „Liebe zur Weisheit“. Und Weisheit meint nicht nur richtiges und kluges Denken, sondern eine gute Lebensführung.

In den griechischen Anfängen der Philosophie war diese ein Bemühen, ein glückliches, gelingendes Leben zu führen. Philosophie hatte also einen praktischen, ja therapeutischen Charakter, mitunter selbst einen religiösen Charakter: auch hier ging es um das Heil der Seele.

Dieser praktische Sinn der Philosophie verbindet sie mit Religion und Theologie – und bringt sie auch in Konkurrenz. 

Weisheit ist ein Begriff Phänomen, das beide Felder verbindet. Ja, im Alten Testament finden wir Texte die beides sind, oder sogar eher philosophisch als religiös, etwa die Texte, die dem König Salomo zugeschrieben wurden: Die Sprüche, Der Prediger (Kohelet), Das Hohelied und Die Weisheit (die in der evangelischen Bibel zu den sog. Apokryphen gehören).

Jesus von Nazareth hat übrigens Züge, die ihn als Weisheitslehrer oder Wanderphilosophen erscheinen lassen, etwa wie die sog. Kyniker. Die Abbildung zeigt ihn im typischen kynischen Gewand, dem doppelten Mantel, der die Brust frei lässt.

Es ist reizvoll, Jesus mit Diogenes zu vergleichen. Der lebte in einer Tonne und wurde berühmt-berüchtigt für seinen Spruch zu Alexander dem Großen, als der ihn fragte, was er für ihn tun könnte: Geh mir aus der Sonne.

Die Kyniker (nicht zu verwechseln mit den Zynikern) wollten möglichst frei und unabhängig leben. Sie hatten deshalb eine Art >Uniform<, die ihre ungebundene Lebensweise zum Ausdruck brachte. Sie hatten einen Stock, mit dem sie sich vor wilden Tieren etc. verteidigen konnten, der aber zugleich ihre freie, königliche Haltung versinnbildlichte; sie hatten zwei Mantel, damit sie vor Kälte geschützt waren, ohne bei anderen Menschen in deren Häusern Unterschlupf finden zu müssen; sie hatten immer einen Beutel mit den notwendigen Habseligkeiten dabei (Essen, trinken, Geld) und natürlich Schuhe, um gut unterwegs zu bleiben.

Vergleicht man, was Jesus seinen Jüngern sagt, was sie auf ihren Wanderungen mitnehmen bzw. weglassen sollen, dann fällt auf, wie nahe das an dieser zynischen Kleidung ist - und wie anders ihre Lebensweise sein soll: sie sollen gerade nicht unabhängig sein, sollen sich vielmehr einladen lassen, Gastfreundschaft in Anspruch nehmen, deshalb nicht zu viel dabei haben; gerade keinen zweiten Mantel, keinen Beutel, kein Geld, manchmal nicht einmal Schuhe.

Zur Zeit geht es im Phil. Club um das Thema Theodizee. Berühmt ist schon die Formulierung von Epikur (341-270 v. Chr):

(1) Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht: dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,

(2) oder er kann es und will es nicht: dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,

(3) oder er will es nicht und kann es nicht: dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,

(4) oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt: Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg? 

Es geht dabei auch um die biblische Figur des Hiob.

Ein weites Feld, dieses Thema, sowohl existentiell wie theoretisch. Kann man da überhaupt argumentieren?

Die nächsten Treffen sind am Donnerstag, den 19. 12.2019, 31.01.2020, 27.02.2020, wie immer um 19.00 Uhr (bis ca. 20.30 Uhr) im Evangelischen Gemeindehaus an der Kolbermoorer Straße (Martin-Luther-Hain 2) in Bad Aibling.

Es ist kein geschlossener Kreis sondern offen, auch für Gäste, die einfach mal schauen wollen oder nicht regelmäßig kommen können oder wollen. Man kann, muss sich aber nicht vorbereiten, ich schicke manchmal Texte vorab, an die, die ihre e-mail-Adresse mitteilen. So dieses Mal einen Text des Berliner Philosophen Holm Tetens.